Pferdgestützte Psychotherapie

Das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThR) nimmt sich der Sache des Therapeutischen Reitens in Psychiatrie und Psychotherapie an.

Nachdem die erste Publikation zu diesem Thema schon 1974 mit einem Artikel von Ute Ohms und Irene Köhler aus der damaligen DDR kam: „Reiten – eine therapeutische Möglichkeit in der Kinderneuropsychiatrie“, wurden beim IV. internationalen Kongress in Hamburg 1982 drei themenspezifische Vorträge ins Programm aufgenommen.

1989/1990 bei der Jahrestagung in Münster-Amelsbüren zeigte sich, dass das Interesse an der Arbeit mit Pferden in der Psychiatrie und Psychotherapie viel größer war als erwartet und dass die Praxis weiter verbreitet war, als bis dahin angenommen wurde.

1993 fand in Bielefeld-Bethel eine erste internationale Arbeitstagung statt. 1994 die zweite an der FU in Berlin. Im selben Jahr erschien das Sonderheft des DKThR „Die Arbeit mit dem Pferd in Psychiatrie und Psychotherapie.“ Es sollte den damaligen Wissensstand dokumentieren.

1995, im 25. Jahr des Bestehens des DKThR, fand im Psychiatrischen Bezirkskrankenhaus Haar bei München die 3. interdisziplinäre und internationale Tagung zu diesem Thema statt.

Im Jahre 1998 wurde in Haar gemeinsam mit der Internationalen Föderation für Therapeutisches Reiten (FRDI, heute HETI) ein internationaler Kongress durchgeführt. In der dortigen Klinik wurde seit 1987 unter der Leitung von Dr. Dr. Michaela Scheidhacker das Therapeutische Reiten eingeführt, nachdem sie zuvor schon in einer psychosomatischen Privatklinik positive Erfahrungen gemacht hatte. In der Weiterentwicklung entstand die „Münchner Schule für Psychotherapeutisches Reiten.“

Seit 2001 kam eine Gruppe von etwa 15 TherapeutInnen verschiedenster Schulen zusammen, die ihre Erfahrungen in der psychotherapeutischen Arbeit mit dem Pferd auszutauschen bereit waren. Auf Initiative von Monika Mehlem und Dr. Marika Weiger kam es zur Gründung der „Fachgruppe Arbeit mit dem Pferd in der Psychotherapie“ (FAPP), die sich seither mindestens einmal jährlich zu Arbeitstagungen trifft und in regionalen Kleingruppen regelmäßige Intervision pflegt.

In 2005/2006 wurde der erste Band „Psychotherapie mit dem Pferd“ der FAPP in Kooperation mit dem DKThR herausgegeben, 2018 folgte Band 2.

Das Thema „pferdgestützte Traumatherapie“ wurde auf der VI. Interdisziplinären Fachtagung des DKThR in Berlin aufgenommen und sowohl aus medizinisch / psychotherapeutischem als auch pädagogisch / heilpädagogischem Blickwinkel betrachtet. Als Experte wurde Prof. Dr. med. Martin Sack (Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, TU München) eingeladen.

Wissenschaftliche Studien und Fortbildungsmaßnahmen befinden sich in einer konkreten Umsetzungsphase und sollen die psychotherapeutische Arbeit mit dem Pferd nachhaltig und dauerhaft sichern.

Im Jahr 2020 beginnt eine anderthalbjährige, berufsbegleitende Weiterbildung zur pferdgestützten Psychotherapie, die von Mitgliedern der FAPP in Kooperation mit dem DKThR angeboten wird.

(Originaltext Prof. Dr. med. Carl Klüwer; aktualisiert und ergänzt von Ina El Kobbia; Stand 2019)