Foto: Jörg Brüggemann

 

 Special Olympics International (SOI)

  • Special Olympics ist die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, die vom Internationalen Olympischen Komitee   (IOC) offiziell anerkannt ist. 
  • Special Olympics wurde 1968 in den USA durch Eunice Kennedy-Shriver, eine Schwester von John F. Kennedy, aus der Idee heraus gegründet, Menschen mit geistiger Behinderung – wie der gemeinsamen Schwester Rosemary – eine Teilhabe an Sportaktivitäten und -veranstaltungen zu ermöglichen.
  • Heute ist Special Olympics mit mehr als fünf Millionen Athletinnen und Athleten in 170 Ländern vertreten.
  • Chairman von SOI ist Timothy Shriver, der Sohn von Eunice Kennedy-Shriver.
  • Der Special Olympics Eid lautet: „Ich will gewinnen! Doch wenn ich nicht gewinnen kann, so will ich mutig mein Bestes geben!“
  • Special Olympics bietet Menschen mit geistiger Behinderung mit den Mitteln des Sports die Chance zu mehr Selbstbewusstsein, Anerkennung und gesellschaftlicher Teilhabe.

Special Olympics Deutschland (SOD)

Organisation und Struktur

  •  Special Olympics Deutschland (SOD) ist die deutsche Organisation der weltweit größten Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung.
  • Special Olympics Deutschland e.V. wurde am 3. Oktober 1991 gegründet und ist seit 2007 als Verband mit besonderen Aufgaben Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). SOD ist die Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung.
  • SOD wird von einem Präsidium ehrenamtlich geführt und unterhält eine nationale Geschäftsstelle in Berlin.
  • Zu Special Olympics Deutschland gehören heute mehr als 40.000 Athletinnen und Athleten in allen Bundesländern, die in mehr als 1.100 Mitgliedsorganisationen regelmäßig trainieren.
  • Mitglieder bei SOD sind vorwiegend Einrichtungen, Werkstätten und Schulen für Menschen mit Behinderung sowie Vereine und Einzelpersonen. Sie sind derzeit in 14 Landesverbänden organisiert. Berlin und Brandenburg bilden einen gemeinsamen Landesverband, in dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern befinden sich entsprechende Strukturen im Aufbau.
  • Special Olympics Deutschland fungiert als Schnittstelle und Kompetenzzentrum zwischen dem organisierten Sport und Institutionen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung wie Schulen, Werkstätten und Wohneinrichtungen.
  • Nationale Spiele: Die ersten Nationalen Sommerspiele fanden 1998 in Stuttgart mit ca. 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. An den Nationalen Winterspielen 2015 in Inzell beteiligten sich mehr als 800 Athletinnen und Athleten, insgesamt waren mehr als 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. An den Special Olympics Hannover 2016, den Nationalen Sommerspielen, nahmen mehr als 4.800 Athletinnen und Athleten teil, insgesamt mehr als 14.000 Teilnehmer waren vor Ort.
  • Das Angebot von SOD und den Landesverbänden umfasst derzeit mehr als 220 Veranstaltungen jährlich, darunter Landesspiele, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Im Jahr 2017 fanden in zehn Bundesländern Landesspiele statt.
  • SOD entsendet regelmäßig mit Unterstützung des Bundesministeriums des Inneren Delegationen zu Special Olympics Welt- Sommer- und -Winterspielen und zu Europäischen Spielen. An den Europäischen Spielen 2014 in Antwerpen (Belgien) nahm eine 100-köpfige deutsche Delegation teil. Zu den Weltsommerspielen 2015 in Los Angeles entsendete SOD eine 194 Personen umfassende Delegation. An den Weltwinterspielen 2017 in Österreich nahm eine 114-köpfige deutsche Delegation teil.
  • SOD arbeitet in Partnerschaft mit allen Institutionen und Organisationen, die in der Förderung und Betreuung von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung engagiert sind. Beispiele dafür sind die Lebenshilfe, die Bundesvereinigung Evangelische Behindertenhilfe, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten, die Caritas sowie weitere Sozialverbände und -vereine.
  • SOD ist in verschiedenen internationalen Gremien von SOI und SOEE (Special Olympics Europe and Eurasia) vertreten und arbeitet aktiv an der qualitativen Entwicklung der weltweiten Special Olympics Bewegung mit.

  Prinzipien der sportlichen Wettbewerbe

  •  Bei Special Olympics Wettbewerben ist die Teilnahme entscheidend. Jede Athletin und jeder Athlet hat bei den regionalen, nationalen und internationalen Wettbewerben durch die Einteilung in homogene Leistungsgruppen die Chance zu gewinnen, unabhängig vom Grad der geistigen oder mehrfachen Behinderung.
  • SOD bietet derzeit insgesamt 27 Einzel- und Mannschaftssportarten an (19 Sommer- und acht Wintersportarten).
  • Ein fester Bestandteil des Sportprogramms von Special Olympics Veranstaltungen ist das Wettbewerbsfreie Angebot (WBFA), das die motorischen Grundlagen fördert und bei dem der Inklusionsgedanke eine wesentliche Rolle spielt: Das Programm richtet sich sowohl an Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung nicht an den regulären Wettbewerben teilnehmen können, als auch an Menschen ohne Behinderung. So können sich alle Interessenten an Nationalen Spielen oder Landesspielen aktiv beteiligen und es ist eine ideale Begegnungsstätte von Menschen mit und ohne Behinderung.

  Idee, Auftrag und Ziel

  •  Das Ziel von Special Olympics ist es, Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung durch den Sport zu mehr Anerkennung, Selbstbewusstsein und letztlich zu mehr Teilhabe an der Gesellschaft zu verhelfen. SOD versteht sich als Inklusionsbewegung.
  • SOD verfolgt klar formulierte strategische Ziele im Hinblick auf Inklusion und ist in der gesellschaftlichen Diskussion und Umsetzung der UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen ein gefragter Ansprechpartner.
  • SOD verschafft Kindern und Erwachsenen mit geistiger Behinderung durch ganzjähriges, regelmäßiges Sporttraining und durch Wettbewerbe in einer Vielzahl von Sportarten Zugangs- und Wahlmöglichkeiten zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Menschen mit geistiger Behinderung können aus diesem Angebot selbstbestimmt nach eigenen Interessen, Bedürfnissen und Wünschen auswählen. Dies reicht von speziellen sportlichen Angeboten für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung über die Teilnahme an Sportarten und in Unified Teams bis hin zur regulären Mitgliedschaft in Vereinen, Ligen und Mannschaften des organisierten Sports.
  • Ein wirkungsvolles Praxisbeispiel für Inklusion ist Unified Sports®. In Unified Teams treiben Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Sport, trainieren und nehmen an Wettbewerben teil, lernen voneinander und bauen gleichzeitig Barrieren und Grenzen im alltäglichen Umgang miteinander ab.
  • Um die im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und des Inklusionsgedankens notwendige Öffnung der Sportvereine für Menschen mit geistiger Behinderung zu unterstützen, werden durch die SOD-Akademie unter dem „Diversity Management Ansatz“ Angebote für den organisierten Sport konzipiert.
  • Special Olympics ist mehr als Sport und versteht sich als Alltagsbewegung mit einem ganzheitlichen Angebot. Ein Beispiel dafür ist das Gesundheitsprogramm Healthy Athletes®.

  Programme und Projekte

  •  Das weltweite Programm Healthy Athletes® dient der Prävention und Gesundheitsförderung, wurde durch Mediziner verschiedener Fachdisziplinen entwickelt und wird durch das freiwillige Engagement von Ärzten, medizinischem Fachpersonal, Physiotherapeuten und Medizinstudenten mit Leben erfüllt. Es umfasst kostenlose und umfassende Beratungen, Kontrolluntersuchungen und Weiterbehandlungsempfehlungen, die alle Athleten bei internationalen und nationalen, zunehmend auch bei regionalen Special Olympics Sportveranstaltungen in Anspruch nehmen können.
  • Das Familienprogramm umfasst die Vernetzung, Betreuung und Einbeziehung der Familien von Athletinnen und Athleten bei Special Olympics Veranstaltungen und zunehmend auch im Alltag. Durch die engere Vernetzung können die Familien Erfahrungen austauschen, Unterstützung erfahren und sich engagieren.
  • Unified Sports® ist ein etabliertes Programm der weltweiten Special Olympics Bewegung. Im Rahmen des Unified-Sports werden eine gleiche Anzahl von Special Olympics Athletinnen und Athleten mit Sportlerinnen und Sportlern ohne geistige Behinderung (werden als „Partner“ bezeichnet) in einem Team zusammengeführt, um gemeinsam zu trainieren und an Wettbewerben teilzunehmen.
  • SOD fördert unter dem Stichwort Empowerment die selbstbestimmte Partizipation von Menschen mit geistiger Behinderung. Mit dem Athlete Leadership Program (Athletensprecherprogramm) setzt Special Olympics den Focus auf die aktive Übernahme von Leitungsfunktionen durch Menschen mit geistiger Behinderung.
  • So arbeitet SOD seit 2010 erfolgreich mit den Athletensprechern, die national, auf Länderebene, im Präsidium, für internationale Wettbewerbe oder Delegationen dieses Ehrenamt mit Engagement und sehr erfolgreich wahrnehmen.
  • Ein Beispiel für Bürgerschaftliches Engagement bei SOD ist der Einsatz von Athletinnen und Athleten als freiwillige Helfer bei eigenen und externen Sportveranstaltungen wie der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011.
  • Die Special Olympics Deutschland Akademie wurde im Jahr 2008 gegründet. Der Fokus der SOD Akademie richtet sich, nach dem erfolgreichen Engagement in der Wissenschaftsarbeit in den letzten Jahren, seit 2012 vor allem auf die Entwicklung eines Fort- und Weiterbildungssystems im Sport für Menschen mit geistiger Behinderung und auf den Inklusionssport. In Zusammenarbeit mit fünf Universitäten wurden Fortbildungsmodule entwickelt, die mittlerweile in der Praxis erprobt und angewendet werden. Die Module können flexibel für verschiedenste Bildungsangebote in Schule, Sport- und Behindertenorganisationen eingesetzt werden. Die Fortbildungen können zentral und dezentral stattfinden: vor Ort oder auch als Webinar (Video, Audio, Chat per Online-Lernplattform). Fundierte Studienmaterialien stehen online (auf der Website und per e-learning auf der Lernplattform) zur Verfügung.
  • SOD und die SO-Landesverbände beteiligen sich aktiv an den jährlich stattfindenden Europäischen Fußball- und Basketballwochen. In Zusammenarbeit mit SOEE, der UEFA und dem Europäischen Basketballbund sowie zahlreichen Ligamannschaften finden gemeinsame Begegnungen, Trainings und Spiele unter wachsender öffentlicher Aufmerksamkeit statt.

 

Der Text wurde von Special Olympics Deutschland der Rubrik "SOD-Wissen kompakt" entnommen (Juli 2018)