10.07.2017 Von: 2

Shortlist für Para-Equestrian-EM in Göteborg

Vier Paare für den EM-Start vorgeschlagen


Überherrn (fn-press). „So schwer fiel die Wahl schon lange nicht mehr“, sagte Britta Bando vom Para-Equestrian-Beirat des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR), der nach der letzten Sichtung in Überherrn seinen Vorschlag für die Beschickung der Europameisterschaften in Göteborg an den Deutschen Behindertensportverband und das Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) machen musste. 

Zum neunten Mal richtete der Akademische Reitclub der Universität des Saarlandes auf dem Linslerhof in Überherrn das internationale Dressurfestival aus und in dessen Rahmen auch wieder internationale Para-Dressur-Prüfungen in allen fünf Grades. Für die deutschen Teilnehmer war es nach dem Nationenpreisturnier (CPEDIO) in Mannheim und der Deutschen Meisterschaft auf Gestüt Bonhomme in Werder/Havel die dritte und letzte Chance, sich für einen der nur vier EM-Startplätze in Göteborg (21. bis 27. August) zu empfehlen. Dort wird die EM Para-Equestrian gemeinsam mit den EM Dressur, Springen und Vierspännerfahren ausgetragen. 

Die Wahl des Beirats fiel auf Elke Philipp (53, Treuchtlingen), die mit dem bewährten Regaliz in Grade I mit Ausnahme der Kür alle Prüfungen für sich entscheiden konnte 74,286 Prozent erzielte das Paar im sogenannten Teamtest, der bei den EM künftig alleine über die Vergabe der Mannschaftswertung entscheiden wird. 73,571 Prozent waren es im Championshiptest, der Aufgabe, die bei den EM zur Vergabe der Einzelwertungsmedaillen geritten wird. 74,110 Prozent erzielten Philipp, die an den Folgen einer Hirnhaut- und Kleinhirnentzündung leidet, und ihr zehnjähriger Hannoveraner (v. Rubinero) für ihre Kür. Damit mussten sie den Sieg am letzten Tag Laurentia Tan aus Singapur mit Fuerst Sherlock überlassen, für deren Kürvorstellung die Richter 76,0 Prozent vergaben. Elke Philipp hat für den EM-Start übrigens gleich zwei Eisen im Feuer, denn in Überherrn war sie auch mit Zweitpferd Fürst Sinclair erfolgreich am Start (Teamtest 71,198 Prozent, Championshiptest 70,476 Prozent). „Die beiden sind mittlerweile gut zusammengewachsen. Für den Fall, dass Regaliz ausfallen sollte, ist er eine echte Alternative“, erklärte Britta Bando. 

Ebenfalls nominiert wurde die an spastischer Diparese leidende Alina Rosenberg (25, Konstanz), die sich in Überherrn in allen drei Prüfungen in Grade II durchsetzen konnte. Mit dem achtjährigen Nea’s Daboun (v. Dressage Royal) erzielte sie 68,687 Prozent in der Teamaufgabe, 68,480 Prozent im Championshiptest und 74,555 Prozent für ihr Kür. „Die Leistungen von Alina sind in diesem Jahr immer konstanter geworden“, sagte Bando. 

Komplettiert wird der Vorschlag durch Steffen Zeibig (Arnsdorf) und Claudia Schmidt (Darmstadt), die beide in Grade III starten und wie auch Philipp und Rosenberg bereits bei den Paralympics in Rio die deutschen Farben vertreten haben. Zeibig, dem von Geburt der rechte Unterarm, der linke Fuß und der rechte Unterschenkel fehlen, hatte in diesem Jahr etwas Anlaufschwierigkeiten gehabt. Zur dritten Sichtung präsentierten sich der 40-jährige Paralympics-Bronzemedaillengewinner und seine 13-jährige Hannoveraner Rappstute Feel Good (v. Fürst Heinrich) aber wieder in der gewohnten Form. Im Teamtest musste das Paar mit 69,608 Prozent lediglich der Belgierin Barbara Minecci mit Stuart den Vortritt lassen, die mit 70,147 Prozent den Sieg davontrug. Im Championshiptest erzielte er mit 69,118 Prozent Platz drei und setzte sich in der Kür mit 75,41 Prozent sogar mit Abstand an die Spitze. Über einen Sieg im Championshiptest (71,373 Prozent) freuen durfte sich dagegen die frisch gebackene Deutsche Meisterin in Grade III, Claudia Schmidt. Die 55-Jährige, die seit einem Unfall vor 13 Jahren halbseitig gelähmt ist, war im vergangenen Jahr quasi in letzter Minute ins deutsche Rio-Aufgebot nachgerückt. In diesem Jahr bestätigte sie nachträglich ihren Paralympicseinsatz durch gute Ergebnisse in allen drei Sichtungsprüfungen.

Als Reservistinnen wurden Dr. Angelika Trabert (Dreieich, Grade III) und Hannelore Brenner (Wachenheim, Grade IV) nominiert. Trabert, die bereits 1996 an den ersten Paralympics im Reiten teilnahm, blieb in Überherrn mit dem siebenjährigen Diamond‘s Shine mit Ausnahme der Kür hinter ihren beiden Konkurrenten Zeibig und Schmidt. „Pro Grade dürfen maximal zwei Paare aus einer Nation starten, daher war von vorneherein klar, dass einer der drei zuhause bleiben muss. Insofern kann Dr. Trabert auch nur dann einspringen, wenn einer der beiden Grade-III-Reiter ausfallen sollte“, erklärte Britta Bando. „Die Wahl ist in diesem Grade besonders schwer gefallen, denn alle drei sind championatswürdig und jeder hat auch seine besonderen Stärken. Im Gegensatz zu Steffen Zeibig und Claudia Schmidt hat Dr. Angelika Trabert ihr Pferd allerdings erst seit diesem Jahr, das hat uns die Entscheidung etwas erleichtert.“ Sollte eines der anderen Paare ausfallen, rückt Hannelore Brenner (Wachendorf) nach. Die 15-malige Deutsche Meisterin, Doppelweltmeisterin und Paralympics-Siegerin konnte mit ihrem Trakehner Wallach Kawango in dieser Saison noch nicht ganz an einstige Erfolge anknüpfen. „Bei der aktuellen Nominierung stand sie daher nicht in vorderster Reihe. Wir glauben aber, dass sie im Falle eines Ausfalls eine sichere Bank für das Team ist, und sind außerdem sicher, dass das Paar seinen Weg im Sport noch machen wird“, so Bando. Hb