Der Behindertenreitsport - oder das Reiten als Sport für Menschen mit Behinderung (Para Equestrian-Sport, PE) - ist nicht zu verwechseln mit der Reittherapie oder dem Therapeutischen Reiten, auch wenn hierzulande der Pferdesport für Menschen mit Behinderung vom Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThR) e.V., einem Anschlussverband und Kooperationspartner der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) e.V. betreut und organisiert wird.
Das Dressurreiten für Reiter mit Binderungen ist bereits seit Atlanta 1996 eine Paralympische Disziplin. Die weltweite Entwicklung ist nahezu phänomenal. Wurde bis Sydney im Jahr 2000 ausschließlich auf zugelosten Fremdpferden des Gastgeberlandes gestartet, gehen die Reiter seit Athen 2004 auf ihren eigenen Pferden ins Viereck. Hierdurch ist das Niveau der reiterlichen Leistungen, aber auch die Qualität der Pferde immens gestiegen.
Im Jahre 2006 ist der Para-Equestrian-Sport als achte Disziplin von der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) aufgenommen worden und steht hiermit gleichberechtigt zu allen anderen Pferdesportdisziplinen.
2010 wird zum ersten Mal in der Geschichte eine gemeinsame Weltmeisterschaft mit allen acht Disziplinen im amerikanischen Lexington/Kentucky ausgerichtet. Damit ist der Pferdesport für sämtliche Sportarten Vordenker und Vorreiter für die Integration des Behindertensports.
Deutschland konnte in den vergangenen Jahren eine feste Position in der Spitzengruppe behaupten. Mit Fug und Recht lässt sich behaupten, dass die Deutschen ReiterInnen — auch im Behindertenreitsport - zur absoluten Weltklasse gehörten. Eindrucksvoll und beispielhaft sei hier nur das Gesamtergebnis der Paralympics 2008 in Hongkong zu erwähnen. In Hongkong haben die Deutschen DressureiterInnen mit Behinderungen mit drei Gold-, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen den 2.Platz im Medaillenranking der Nationen erzielt.
Nationen wie England, Norwegen, Dänemark, Niederlande gehören schon seit jeher zu unseren größten Konkurrenten. Zunehmend können insbesondere die jungen Nationen im Bereich des PE-Sports einen deutlichen Vorsprung verzeichnen. Nationen wie Süd-Afrika, Australien, Brasilien, Italien, die Slowakei und zunehmend die Asiatischen Nationen sind auf dem Vormarsch.
Um auch in den nächsten Jahren nicht den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren, sind wir auf eine weiterhin hohe Qualität der Reiter-Pferd-Ausbildung, der Optimierung im organisatorischen Bereich - insbesondere bei der Sichtung und Auswahl geeigneter Reiter-Pferd- Kombinationen - und auf die professionelle Organisation des PE-Sport angewiesen. Dazu müssen auch wir in Deutschland innovative Akzente setzen.
In den vergangenen Jahren genügte z. B. noch die eigentliche Körperbehinderung in Verbindung mit reitsportlichen Aktivitäten zur Aufnahme in den Nachwuchskader. Hiermit können und dürfen wir uns nicht mehr zufrieden geben. Der Leistungsgedanke muss auch hier immer mehr in den Vordergrund treten, zumal das Gros der hochverdienten Reiter—Pferd-Kombinationen in unserem Sport in absehbarer Zeit nicht mehr - oder nur bedingt - zur Verfügung stehen wird. Primär müssen wir also die Entdeckung und Förderung des reiterlichen Nachwuchses in allen Altersklassen und die Findung geeigneter Pferde ausbauen.
Es gibt eine große Anzahl von ReiternInnen mit körperlichen Behinderungen und ambitionierten Pferdezüchtern bzw. Pferdebesitzern in Deutschland. Leider sind diese jedoch nicht ausreichend über unseren Sport und den damit verbundenen Anforderungen und Möglichkeiten informiert. Allzu oft wird das Dressurreiten für Menschen mit Behinderungen nur unter dem Aspekt des Therapeutischen Reitens gesehen. Dies ist jedoch ein klarer Irrtum. Hier gilt es eine systematische Aufklärung zu betreiben und verbandsseitig tätig zu werden. Hierfür notwendige Werbekampagnen lassen sich - aus finanziellen und personellen Gründen derzeit nicht realisieren. Daher sind wir auf die Mithilfe aller Beteiligten im Pferdesport angewiesen.
Hier unser Aufruf:
Sie sind reitsportlich ambitioniert jedoch durch eine Krankheit, durch einen Unfall - oder vielleicht von Geburt an - körperlich gehandicapt;
Sie sind ambitionierter Züchter oder Pferdebesitzer;
Sie sind z.B. Turnier-Richter und haben einen Reiter oder eine Reiterin mit körperlichen Beeinträchtigungen und/oder ein geeignetes Sportpferd im Starterfeld einer PLS oder in einem WB gesehen;
Sie kennen eine der vorgenannten Personen in Ihrem persönlichen Lebensumfeld?
Dann stellen Sie doch bitte einfach den Kontakt zu uns her. Unsere Bundestrainer stehen Ihnen als Ansprechpartner jederzeit gern zur Verfügung.
Dirk-Michael Mülot, Co-Bundestrainer
Westfalenweg 2
33449 Langenberg
Tel.: 05248-821205
Fax: 05248-821206
E-mail: dirk@muelot.de
oder
Almut Schlingenkötter
Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten e.V.
Freiherr-von-Langen-Str. 8a
48231 Warendorf
Tel.: 02581-927919-4
Fax: 02581-927919-9
E-mail: aschlingenkoetter@fn-dokr.de
Internet: www.dkthr.de